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Editorial 2021

Sehr geehrte Damen und Herren

Bauwerke brauchen ein solides Fundament, eine tragfähige Konstruktion und eine dichte Hülle. Darüber hinaus müssen sie weitsichtig  geplant sein. Diese Faktoren sind aber nicht nur in der Gebäudearchitektur für nachhaltiges Bestehen massgeblich, sondern auch für  Unternehmen eine Voraussetzung. Wir haben im vergangenen Jahr intensiv an unserem Bauplan für die Zukunft gearbeitet. Mit dem  formalen Abschluss der Entflechtung Anfang 2021 haben wir den Grundstein gelegt, um unser Unternehmen neu zu konstruieren. Die  vollzogene Aufspaltung des ehemaligen RUAG Konzerns in zwei neue, unabhängige Unternehmen sowie die Entflechtung der IT- Infrastruktur ermöglichen uns, RUAG in den kommenden Jahren als eigenständiges Unternehmen weiterzuentwickeln und  zukunftsorientiert auszurichten.

«Unsere RUAG», die für die Sicherheit der Schweiz arbeitet, steht nun als eigenes Bauwerk da. Wie oft bei bestehenden Gebäuden zeigt  sich aber erst mit vertiefter Analyse, was wertvoll ist und was saniert werden muss. Das Wertvollste sind unsere Mitarbeitenden und ihre  tiefe Verankerung im dualen Bildungssystem. In der Grundausbildung wird das Fundament gelegt, das die Basis für ein «gutes  Handwerk» und eine aktive Weiterentwicklung der Kompetenzen bildet. RUAG wird dieses erfolgreiche Modell auf die Zusammenarbeit mit Hochschulen ausdehnen.

Wir bei RUAG sind uns demnach bewusst, dass optimale Voraussetzungen für nachhaltigen Erfolg nur dann geschaffen werden können,  wenn motivierte, hochqualifizierte sowie fortschrittliche Architekten beteiligt sind. Wir werden auch in Zukunft alles daransetzen, um  unserer Belegschaft innovativen Gestaltungsraum zu geben und junge Menschen mit Herzblut und zukunftsorientiertem Denken für  unser Unternehmen zu gewinnen. Dass wir diesbezüglich bereits auf dem richtigen Weg sind, zeigten im vergangenen Jahr die erneut  herausragenden Resultate unserer Lernenden an den Schweizer Berufsmeisterschaften.

Die Fähigkeit, Systeme über Jahrzehnte zu unterhalten und sie mit neuesten Technologien zu modernisieren, prägt RUAG. Wir wollen  unsere langjährige Erfahrung als Technologiepartner der Armee dazu nutzen, uns auf neue Fähigkeiten und Bedrohungsszenarien  einzustellen. Systeme werden zunehmend vernetzt und neue Lösungen, beispielsweise in den Bereichen autonome Geräte,  Kommunikation oder Cybersicherheit, sind notwendig. Wir sind dort gefragt, wo die Schweiz auf eine souveräne Sicherheit setzt – nicht  nur für die Schweizer Armee, sondern für alle sicherheitsrelevanten Institutionen.

Bevor wir an unserem Bauwerk weiterarbeiten, müssen wir jedoch dringend notwendige Sanierungen durchführen. Risse im Fundament  oder wacklige Säulen sind keine Basis für die Zukunft. Die Substanz unserer Infrastruktur wurde in den letzten Jahren vernachlässigt. Es  braucht erhebliche Anstrengungen, um unsere Immobilien und Prüfzentren zu erneuern. Für die grossen Beschaffungsprojekte der  Armee müssen zusätzlich neue Anforderungen erfüllt werden. Wir erachten dies als Chance, obwohl die Finanzierung anspruchsvoll wird.

Eine tragende Säule unseres Gebäudes ist die strategische Ausrichtung. Sie gibt den Mitarbeitenden, dem Eigner und unseren  Partnern Orientierung. Im Geschäftsjahr 2021 haben wir mit Hochdruck an unserer Unternehmensstrategie gearbeitet. Dabei ist das  Drittgeschäft ein relevantes Element im Geschäftsmix und ist teilweise noch geprägt durch Legacyprojekte. Wir wollen zum  integrierten Dienstleister und agilen Technologiepartner für eine souveräne Sicherheit der Schweiz werden. Als spezifische  Massnahme haben wir erste konkrete, strategische Initiativen lanciert. Diese werden in der «RUAG Innovation Organisation» gebündelt,  die 2022 formalisiert wird. Die Organisation wird sich prioritär mit technologischen Innovationen beschäftigen und RUAG  dabei unterstützen, neue Kunden zu gewinnen, alternative Business Modelle, auch zusammen mit Partnern, zu entwickeln und sich in  weiteren Märkten zu etablieren. 

In unmittelbarem Zusammenhang mit unserer neuen Strategie stand im vergangenen Geschäftsjahr die Klärung wesentlicher,  sicherheitspolitischer Fragen. Dabei ist der Entscheid der Schweizer Bevölkerung betreffend die langfristige Zukunft der Schweizer  Luftwaffe hervorzuheben. Das Ja des Stimmvolkes zu einer neuen Kampfjetflotte (NKF) und einem neuen Boden-Luft-Verteidigungssystem grösserer Reichweite (BODLUV GR) wird unsere Tätigkeiten in diesen Bereichen massgeblich verändern – eine  grosse Herausforderung, auf die wir uns sorgfältig vorbereiten werden. 

Die konsequente Digitalisierung gehört ebenfalls zu den Eckpfeilern unseres neuen Unternehmens. In interdisziplinären Projekten  arbeiten wir daran, unsere Prozesse und Systeme zu digitalisieren und als Unternehmen effizienter sowie einfacher zu werden. Unsere  Kunden werden also in Zukunft von kürzeren Durchlaufzeiten, mehr Transparenz und schnelleren Entscheidungswegen profitieren.

Bestandteil eines Gebäudes ist auch die Hülle, die ein gutes Klima schafft. Dazu gehört insbesondere, dass wir den hohen Ansprüchen  an unsere gesellschaftliche Verantwortung gerecht werden. Dies betrifft völkerrechtliche Verpflichtungen, Beiträge an den Bildungs-  und Forschungsstandort Schweiz, Regionalpolitik, Diversität sowie ökologische Ziele.

Sehr geehrte Damen und Herren, wir bei RUAG haben im vergangenen Geschäftsjahr intensiv am Grundgerüst unseres neuen  Unternehmens gearbeitet. Wir sind überzeugt davon, dass sich diese Arbeiten auszahlen und RUAG in eine erfolgreiche Zukunft führen  werden.

Nicolas Perrin, Verwaltungsratspräsident RUAG MRO Holding AG 

Peter E. Bodmer, CEO a.i. RUAG MRO Holding AG