RUAG hat im August 2023 mit Unterstützung von NKF eine Untersuchung eingeleitet, nachdem bei der Aufarbeitung früherer Geschäftsaktivitäten Unstimmigkeiten und nicht abschliessend geklärte Sachverhalte festgestellt worden waren. Ziel war es, die relevanten Vorgänge und deren Hintergründe umfassend und unabhängig zu untersuchen, Transparenz über die Vergangenheit zu schaffen sowie allfällige Missstände offenzulegen und die notwendigen Konsequenzen abzuleiten. Mit dem Abschluss der Untersuchung und der Publikation der Zusammenfassung kommt RUAG diesen Aspekten ganzheitlich nach.
Erkenntnisse zu den verschiedenen Sachverhalten
Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) hat zwischen Februar 2024 und Januar 2025 vier Prüfberichte zu RUAG veröffentlicht. Darin wurden bereits wesentliche Sachverhalte, die sich aus der nun abgeschlossenen Untersuchung ergaben, aufgegriffen. Im Fokus standen insbesondere die Unregelmässigkeiten beim Erwerb von 100 Leopard-1-Panzern sowie bei der Bewertung und Bewirtschaftung von Ersatzteilen im Zusammenhang mit einem Lager in Italien. Der Fall Niederlande betrifft fragwürdige Bewertungen und Veräusserungen von Ersatzteilen. Darüber hinaus thematisierte die EFK den Handel mit nicht inventarisierten Leopard-2-Getrieben, die mutmasslich zu deutlich unter dem Marktwert liegenden Preisen verkauft wurden.
Die weiterführenden Untersuchungen von NKF ergaben zusätzliche Erkenntnisse zu Unregelmässigkeiten und möglichen Rechtsverstössen. So besteht der Verdacht, dass ein ehemaliger Mitarbeiter sensible technische Zeichnungen widerrechtlich an private E-Mail-Adressen sowie an Dritte in Deutschland versandt hat. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass eine inzwischen liquidierte südafrikanische Tochtergesellschaft von Nitrochemie, an der RUAG eine Minderheitsbeteiligung hält, die Abwicklung von Geschäften ermöglichen sollte, die aus der Schweiz oder Deutschland heraus nicht genehmigungsfähig gewesen wären. Darüber hinaus weisen Erkenntnisse der Untersuchung darauf hin, dass im Rahmen der Entflechtung der RUAG-Gruppe eine Beteiligung an eine Käufergesellschaft veräussert wurde, an der ein ehemaliger Mitarbeiter von RUAG persönlich und ohne entsprechende Offenlegung eine Unterbeteiligung einging. Weitere Verdachtsmomente betreffen mögliche Fälschungen von Originalhersteller-Bestätigungen sowie mutmasslich strafrechtlich relevante Vorteilsgewährungen.
RUAG sichert bei allen Sachverhalten, die weiterführende Abklärungen oder Massnahmen verlangen, uneingeschränkte Kooperation mit sämtlichen involvierten Instanzen, Organisationen und Behörden zu.
RUAG reagiert konsequent
Auf Grundlage der umfangreichen Untersuchungsergebnisse hat der Verwaltungsrat von RUAG ein umfassendes Massnahmenpaket beschlossen und dessen Implementierung vorangetrieben. Die Massnahmen wurden gestützt auf weitere Untersuchungserkenntnisse laufend ergänzt. Im Rahmen einer Reorganisation wurde die Organisationseinheit Corporate Services gebildet und die Compliance gestärkt. Hervorzuheben sind gezielte Verbesserungen bei der Exportkontrolle, der Steuerung von Agentenbeziehungen im Auslandsgeschäft und den internen Prozessen.
Neben diesen strukturellen Verbesserungen hat RUAG auch rechtliche Schritte eingeleitet. In der Schweiz wurden Strafanzeigen wegen des Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung, Urkundenfälschung, Verletzung des Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisses sowie auf weitere Delikte erstattet und mehrfach ergänzt. Zudem hat RUAG zivilrechtliche Ansprüche in Höhe von rund EUR 51 Mio. gegen zehn Personen eingeklagt. Die straf- und zivilrechtlichen Verfahren sind weiterhin hängig.
«Die belastete Vergangenheit von RUAG umfassend und unabhängig aufzuarbeiten, war für uns von Beginn an das übergeordnete Ziel. Dieses haben wir konsequent und mit Nachdruck verfolgt. Durch die professionelle, forensische Untersuchung über einen Untersuchungszeitraum, der bis ins Jahr 2002 zurückreicht, haben wir wesentliche Erkenntnisse zu Vorgängen gewonnen, die bis heute andauern. Die Komplexität dieser Sachverhalte machte die Aufarbeitung anspruchsvoll. Dieser Aufwand war aber eine bewusste Investition in unsere Zukunft und hat sich gelohnt. Wir haben Transparenz geschaffen, die erforderlichen Konsequenzen gezogen und damit die Grundlage für einen unbelasteten Neuanfang gelegt. Uns ist bewusst, dass diverse Sachverhaltskomplexe noch nicht abschliessend aufgearbeitet sind oder zusätzliche Massnahmen erfordern. RUAG wird auch diese nächsten, erforderlichen Schritte transparent und kooperativ vorantreiben und darüber Bericht erstatten», sagt Jürg Rötheli, Präsident des Verwaltungsrates der RUAG MRO Holding AG.
Downloads
Weitere Informationen zu RUAG erhalten Sie bei Silvan Gruber, Director Corporate Communication & External Affairs, silvan.gruber@ruag.ch / +41 78 914 07 00.