Editorial 2025
Sehr geehrte Damen und Herren
RUAG blickt auf ein intensives und dynamisches Berichtsjahr mit ambivalenten Ausprägungen zurück. Einerseits konnten entscheidende, zukunftsrelevante Erfolge erzielt werden. So hat RUAG die oberste Führungsebene stabilisiert und personell ergänzt, zentrale Meilensteine in
zukunftsweisenden Vorhaben erreicht und bestehende Altlasten abgebaut. Andererseits befindet sich der Konzern nach wie vor in einer anspruchsvollen Transformationsphase, die sich teilweise auch auf die Leistungen im Kerngeschäft auswirkte. Die kontinuierliche Verbesserung der Zusammenarbeit mit dem Hauptkunden, der Schweizer Armee, ist somit weiterhin absolut prioritär.
Die Zukunft im Blick
Der Verwaltungsrat der RUAG MRO Holding AG konnte im Berichtsjahr 2025 erneuert werden. Bereits zu Beginn des Jahres übernahm Jürg Rötheli das Präsidium und Roland Leuenberger trat in den Verwaltungsrat ein. Mit Jean-Marc Lenz und Claudia Bidwell ergänzten im Verlauf des Jahres weitere Mitglieder mit umfassender Fachexpertise und grosser Erfahrung das Gremium.
Einen zukunftsweisenden Meilenstein erreichte RUAG im Projekt «RIGI», das die Endmontage und das Testing von vier der bestellten Kampfflugzeuge des Typs F-35A am Standort Emmen zum Gegenstand hat. Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) unterstützt das Projekt und ermöglicht RUAG dadurch, sich zu einem europäischen Zentrum für Militärluftfahrt weiterzuentwickeln.
Um die unternehmerische Zukunft unbelastet gestalten zu können, investierte RUAG in den weiteren Abbau von Altlasten. Unter anderem gelang es, die in Italien stationierten Leopard-1-Panzer zu verkaufen und somit das Lager vollständig aufzulösen.
Als bundeseigenes Sicherheitsunternehmen steht RUAG in einer besonderen Verantwortung. Gesellschaft, Politik und insbesondere unser Hauptkunde, die Schweizer Armee, haben zu Recht hohe Erwartungen an Transparenz, Integrität, Leistungsfähigkeit und Verlässlichkeit. Diesem Anspruch stellen wir uns mit voller Konsequenz.
RUAG entwickelt sich konsequent weiter, ist aber noch nicht am Ziel
Die veröffentlichten Berichte der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) nahm und nimmt RUAG sehr ernst, ordnete umgehend wirksame Massnahmen an und setzte die Empfehlungen konsequent um. So wurden rechtliche Schritte gegen Einzelpersonen eingeleitet, die sich in der Vergangenheit mutmasslich nicht gesetzeskonform verhalten haben. Darüber hinaus implementierte RUAG eine neue Unternehmensstruktur, liess die Compliance-Prozesse von externen Experten auditieren und entwickelte die Unternehmenskultur mit gezielten Initiativen weiter. Trotz dieser Massnahmen ist die Aufarbeitung der Vergangenheit noch nicht vollständig abgeschlossen. Besonders die Compliance-Kultur sowie die Governance-Strukturen müssen weiter professionalisiert und konsequent gelebt werden. Integrität und Transparenz sind keine formalen Anforderungen, sondern verbindliche Leitprinzipien unseres Handelns.
Im Kontext der lückenlosen Aufarbeitung ist die forensische Untersuchung der Anwaltskanzlei «Niederer Kraft Frey», die auch während des Berichtsjahres fortgeführt wurde, ein entscheidender Aspekt.
Die bisher festgestellten Mängel haben wir klar erkannt. Sie betreffen nicht nur Prozesse, sondern auch Haltungen und Verantwortlichkeiten. Wir wissen: Der eingeschlagene Weg ist anspruchsvoll und noch nicht abgeschlossen. Die nachhaltige Veränderung von Kultur und Führung braucht Zeit, Konsequenz und Vorbildfunktion auf allen Ebenen.
Finanziell und strategisch auf Kurs
RUAG blickt auf ein operativ erfolgreiches Berichtsjahr zurück. Mit einem EBIT von über sechs Prozent, einer Steigerung des Nettoumsatzes auf CHF 824.6 Millionen sowie einer spürbaren Stabilisierung der Liquidität zeigen die wichtigsten Kennzahlen in die richtige Richtung, um die strategische Handlungsfreiheit zu erhöhen.
Dass RUAG das operative Geschäft trotz diverser Sonderbelastungen erfolgreich gestalten konnte, belegt die robuste Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Nichtsdestotrotz sind sich Verwaltungsrat und Geschäftsleitung vollumfänglich bewusst, dass die Leistungserbringung kontinuierlich im Sinne der Kunden weiterentwickelt und optimiert werden muss.
Die strategischen Ziele des Bundesrates hat RUAG im Berichtsjahr erreicht oder zumindest teilweise erreicht. Im Vergleich mit den Vorjahrswerten konnte sich das Unternehmen leicht verbessern.
Stärkung der vertrauensbasierten Partnerschaft
Sowohl der Verwaltungsrat als auch die Geschäftsleitung sind überzeugt, dass RUAG als leistungsfähiges, bundeseigenes Sicherheitsunternehmen wieder eine zentralere Rolle im sicherheitspolitischen Umfeld der Schweiz wahrnehmen kann. Die eingeleiteten Veränderungsprozesse werden konsequent weitergeführt, die Unternehmenskultur gestärkt und die operative Leistungserbringung gegenüber dem Hauptkunden, der Schweizer Armee, verbessert. Mit all diesen Massnahmen soll es RUAG gelingen, das Vertrauen von Politik und Gesellschaft zurückzugewinnen und sich langfristig als verlässlichen Partner innerhalb der Sicherheitsarchitektur der Schweiz zu positionieren. Vertrauen entsteht nicht durch Worte, sondern durch nachvollziehbares, konsequentes Handeln. Daran lassen wir uns messen.
Dr. Jürg Rötheli, Präsident des Verwaltungsrates
Ralf Müller, CEO